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Ich mag Wüsten. Und nicht nur aufgrund der bissigen Kamele und der Abwesenheit meines Todfeinds, der Luftfeuchtigkeit, ich mag sie weil ich die Schönheit der Dünen und ihrer Bewohner, die Stille und die beeindruckenden Landschaften erfassen möchte. Spätestens seit meinem letzten Abstecher nach Wadi Rum in Jordanien, habe ich mich auf den nächsten Besuch in einer Wüste gefreut und war dann auch ziemlich aufgeregt zu erfahren, dass ich einer meiner letzten Tage in Oman in der Wahiba Sands Wüste verbringen würde.

Bedouins and their Camels in Wahiba Sands

Die Wahiba Sands Wüste bietet etwas mehr als 12’000 Quadratkilometer an exquisiten Dünen und verdankt ihren Namen dem dort ansässigen Wahiba Stamm, einer nomadischen, paternalistischen Gesellschaft, deren Traditionen Jahrtausende zurückgehen. Natürlich hat sich viel verändert, seit die Beduinen noch Kamele als Transportmittel benutzten und auf die Jagd gingen anstatt im nächsten Supermarkt einkaufen zu gehen. Heute sind die ehemaligen Nomaden sesshaft und gehen einem etwas moderneren Lebensstil nach. Aber dank des Tourismus kam ich dann doch noch in den Genuss einiger Aspekte des Nomadenlebens und einiger Traditionen, die trotz aller Modernisierungsversuche immer noch erhalten werden.

Aufgrund der Verfügbarkeit von modernen Gütern, ist die Wüste aber auch nicht mehr ganz so ruhig, wie man sich das vorstellt, oder vielleicht auch wünscht. Die Beduinen besitzen neben den Kamelen nun auch Geländewagen und haben sich zu Fahrkünstlern auf den steilen Dünen entwickelt. Die Dünen sind nicht mehr unberührt und die Stunden, die ich in Wahiba Sands mit fotografieren verbrachte, waren stressig und aus Fotografensicht ein ziemlicher Albtraum. Fahrzeuge rasten auf ihren Spritztouren links und rechts an mir vorbei, gefüllt mit brüllenden Touristen und Einheimischen, immer wieder die Dünen hoch und runter und zerstörten somit auch den Grossteil der tollen Landschaft mit hässlichen Fahrspuren und aufgewühltem Sand. Ich hatte Mühe einen Winkel zu finden, der das Bild einer einigermassen unberührten Wüste zeigte. Schlussendlich hatte ich ja den Auftrag, nicht unbedingt echte, sondern hübsche Bilder zu produzieren.

Versteht mich nicht falsch, unter anderen Umständen hätte ich wohl auch in den Fahrzeugen gesessen und Spass gehabt und der Wind war stark genug, um die Spuren nach einigen Stunden wieder zu verwischen, aber ich war ja bekanntlich auf einer zumindest dem Namen nach professionell organisierte Fototour. Die Location war zum fotografieren einfach schlecht gewählt. Weniger überraschend war ich dann auch ziemlich wütend auf Oman in Focus und habe den Grossteil meiner Zeit in den Dünen mit dem verzweifelten Versuch verbracht, den Fahrern zu signalisieren, mir doch bitte nicht das Bild zu ruinieren.

Defending the dune with my life.

Abgesehen davon, waren die Leute im Camp wundervoll und haben uns mit der bekannten nahöstlichen Gastfreundschaft empfangen. Starker, schwarzer Kaffee und lokal angebaute Datteln waren immer verfügbar. Die Frauen im Camp mit ihren schwarz umrandeten Augen, den tätowierten Händen und den farbigen Roben trugen ihre traditionellen, schnabelartigen Gesichtsmasken und waren erstaunlicherweise bereit, für Fotos zu posieren. Am Abend kicherten sie sogar mit uns am Lagerfeuer, als wir ihnen die Bilder des Tages auf dem Laptop zeigten. Später in der Nacht stieg ich auf die Dünen und versuchte einige Nachtaufnahmen zu machen, aber das Licht aus der Richtung der Camps war dann doch etwas zu hell.

Wahiba tribe lady in her traditional garb.

Face masks are an important part of the dress code.

Wahiba Tribe lady with her face mask.

Beautiful Omani girl in the desert.

the Wahiba Sands desert at night

Nach einer Nach in den Zelten des Bidiya Desert Camp, fuhren wir zurück zum nordöstlichen Zipfel der Küste um Sur, Oman’s wohl schönster Küstenstadt, einen Besuch abzustatten. Sur war einmal ein wichtiger Handelshafen und ist auch heute noch vor allem für den Bau der hölzernen Segelschiffe bekannt, die schon vor Jahrtausenden zu Handelszwecken benutzt wurden.

Mit dem leuchtend, hellblauen Meer, den schneeweissen Gebäuden und den gelben Felsen, war Sur definitiv einer meiner Lieblingsorte in Oman und ich würde gerne eines Tages zurückkehren, um die Stadt ausgiebiger zu entdecken.

Coast in Sur

Newly built bridge in Sur.

Zurück in der Hauptstadt Muscat hatten wir dann noch etwas Zeit, die Grosse Moschee zu besichtigen – ein elegantes und gigantisches Meisterwerk der Architektur, welches Wert auf Symmetrie legt wie wohl kein Zweites. Leider kann die Moschee von Besucher nur in der Mitte des Tages besucht werden und das Licht war zum Fotografieren ein wenig zu harsch. Ausserdem war es unglaublich heiss. Ich wurde unter meinen vielen Tüchern bei lebendigen Leib gebraten und der schwere Rucksack hat dabei auch nicht wirklich geholfen. Brendan und mir wurde es dann schnell zu viel und wir haben uns schlussendlich dehydriert mit zwei Flaschen Wasser unter den nächsten Baum gesetzt. Obwohl ich nicht wirklich viel Zeit in der Moschee verbracht habe, habe ich in der kurzen Zeit trotzdem einige Fotos schiessen können.

the grande mosque in muscat

Inside the Grande Mosque

Inside the Grande Mosque

Inside the Grande Mosque

decoration Inside the Grande Mosque

Die Fotografie-Tour endete schlussendlich im königlichen Opernhaus in Muscat, wo jeder teilnehmende Fotograf die Chance erhielt, drei seiner Lieblingswerke in einer Ausstellung zu präsentieren. Die Ausstellung war ein tolles Ende zweier turbulenter Wochen und zog so einige Minister und wichtige Persönlichkeiten aus dem ganzen Land an, die dann auch brav die auf Leinwand gedruckten Fotos bewunderten. Ich war jedoch besonders glücklich darüber, die Cousine des Mädchens auf einem meiner Bilder zu treffen, die extra aus Al Hamra angereist war und ihre Verwandte auf der Leinwand erkannte. Zusätzlich stellten sich noch einige gute Freunde des Herrn im Fischmarkt vor – sie alle waren nur per Zufall an der Ausstellung, was doch wieder einmal beweist, wie klein die Welt sein kann.

Trotz aller Unstimmigkeiten und Organisationsproblemen, verbrachte ich doch einige wundervolle Tage in Oman. Es ist ein unglaublich vielseitiges Land und hat sowohl für Fotografen, wie auch für Touristen viel zu bieten. Oman hat alles, von versteckten Bergdörfchen und beeindruckenden Wadis bis hin zu farbigen Märkten, grünen Oasen, kargen Wüsten und hübschen Küstenstädten. Die Einheimischen sind unglaublich gastfreundlich und gehören wohl zu den nettesten Menschen, die ich bisher auf Reisen getroffen habe. Dank ihnen konnte ich an meiner Porträt-Fotografie arbeiten und eine Menge lernen.

Ich werde definitiv eines Tages nach Oman zurückkehren und auf eigene Faust auf Entdeckungstour gehen.

me at the opera house

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

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