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Der Bromo Tengger Semeru Nationalpark auf Indonesiens Insel Java besitzt eine der schönsten Landschaften, die ich je gesehen habe. Leider ist er jedoch auch eine ziemliche Touristenfalle und, dank eines Monopols auf dem Berg, ist es den Tour-Unternehmen möglich, für schlechte Ausflüge hohe Preise von den Besuchern zu erpressen. Um deinen Haaren das frühzeitige Ergrauen zu ersparen, gibt’s hier eine Anleitung, wie du den Bromo Nationalpark auch ohne überteuerte Touren geniessen kannst.

On the edge of the Bromo crater.

Am Kraterrand des Bromo Vulkans. Hochwandern ist einfach, ich hab’s sogar in Jeans getan!

Wie man ohne Tour nach Cemoro Lawang gelangt

Den Berg von Probolinggo nach Cemoro Lawang, ein kleines Dörfchen, welches als Basis für die meisten Expeditionen in den Park dient, hochzukommen, ist kein einfaches Unterfangen. Die sicherste Option ist – wenn man denn ein wenig mehr Geld zugunsten von Komfort ausgeben will – einen Transfer ausgehend vom Hotel oder der vorhergehenden Destination zu buchen. Falls man per Zug ankommt, wie das bei mir der Fall war, wird man sobald man den Bahnhof verlässt, von einer Meute einheimischer Minibusfahrer belagert. Einen fairen Preis zu bekommen, oder die exorbitanten Summen nur schon ein wenig runterzuhandeln, ist unmöglich. Die Fahrer haben sich in der simplen aber genialen Absicht zusammengetan, den Touristen so viel Geld wie nur möglich abzuknöpfen. Um zum Busterminal, von wo aus Shuttles nach Cemoro Lawang fahren, zu gelangen, wird man irgendwas zwischen 15’000 Rupiah (falls die Hölle zufriert und es junge Hunde regnet) und 50’000 Rupiah (schon eher) hinblättern müssen. Meistens bringen dann die Fahrer die Reisenden trotz vorheriger Abmachung nicht zum Terminal, sondern chauffieren diese frech zum nächsten Tour-Unternehmen. Dort kann man dann wiederum mit dem Unternehmen streiten und versuchen einen Preis auszuhandeln, oder darauf bestehen, jetzt aber wirklich zum Busterminal gefahren zu werden. Egal welche Option man wählt, der Bus auf den Berg sollte 30’000 und ein Taxi 250’000 kosten. Die Tour-Unternehmen verlangen hingegen gegen die 400’000, worauf man sich keinesfalls einlassen sollte. Stelle dich sicherheitshalber schonmal auf eine Menge Frustration, einseitige Verhandlungen und Umwege an Orte, wo du eigentlich nicht hinwolltest, ein.

Wie man ohne Tour auf den Vulkan Bromo wandert

Kurz vor Sonnenaufgang verwandelt sich die kleine Strasse durch Cemoro Lawang in eine laute und chaotische Autobahn, tagsüber ist jedoch alles ruhig und verlassen. Obwohl der Nationalpark unglaublich beliebt ist, scheinen sich die wenigsten Leute selbständig auf Entdeckungstour zu begeben. Bei meiner Wanderung auf den Vulkan Bromo bin ich nur vereinzelten (hauptsächlich einheimischen) Touristen und Wanderern begegnet, die genauso überrascht schienen mich zu sehen, wie ich es war, ihnen zu begegnen.

Sobald man Cemoro Lawang hinter sich lässt und am Rande der Caldera steht, kann man erkennen, dass der Nationalpark ein ziemlich simples Layout hat. Dank des Kraters mit seinen vier Gipfeln – eingeschlossen des brodelnden Bromo – ist es einfach, die Orientierung zu behalten und sich selbständig auf den Weg zu machen.

Bromo's smoking crater spitting sulfur into the air.

Schwefelwolken steigen aus Bromo’s Krater auf.

A horse - popular transport in the national park - and the sand sea behind it.

Ein Pferd – neben den Jeeps wohl das beliebteste Transportmittel im Nationalpark – und das Sandmeer mit Hindu Tempel im Hintergrund.

Folgt man der Hauptstrasse durch das Dorf bis zum Rande der Caldera, kann man eine grossartige Aussicht auf den Krater und den Vulkan mittendrin geniessen. Halte dich an die Strasse, sag nein zu den Einheimischen, die ihr Pferd verkaufen wollen und wandere stetig abwärts, bis du das Sandmeer erreichst. Ab dort geht es quer über den Sand – keine Angst, den Pfad zu verlassen ist total ungefährlich – bis zum Schwefelspuckenden Vulkan Bromo, wo ein windiger Pfad und Treppen bis zum Kraterrand hochführen.

  • Benötigte Zeit von der Caldera bis zum Bromo Vulkan: ca. 45 Minuten
  • Preis: gratis
  • Schwierigkeit: Abgesehen vom kurzen aber anstrengenden Aufstieg auf den Kraterrand; einfach. Ich bin nicht unbedingt ein guter Wanderer und auch nicht sonderlich fit, habe die Wanderung aber mit links geschafft.
  • Mitbringen: Wasser und ein Tuch/Schal/Mundschutz – der Schwefel in der Luft brennt in Augen und Lungen und das Atmen fällt leichter, wenn man sich etwas vor den Mund halten kann.
  • Kurzer Umweg: Ein Besuch des Hindu Tempels am Fusse des Vulkans ist empfehlenswert.
Hindu temple in the sand sea.

Hindu Tempel im Sandmeer.

Wie man auch ohne Tour den Sonnenaufgang geniessen kann

Die “Sunrise” Touren sind ein grosses Ding im Bromo Nationalpark und der Gruppendruck scheint so stark zu sein, dass sich schlussendlich auch noch der letzte Skeptiker dafür anmeldet. Obwohl ich schon am Vortag ausführlich durch den Park gewandert bin, habe ich mir die Tour aufgrund der grossen Nachfrage, und zugunsten von etwas mehr Schreibmaterial trotzdem angetan.  Nach einem zugegebenermassen miserablen Ausflug musste ich dann jedoch nicht überrascht resümieren, dass das Spektakel das Geld und die Zeit nicht wert ist und man besser fährt, wenn man sich allein auf den Weg macht.

Meeting four lonely local tourists.

Fünf einsame Touristen auf dem Weg zum Vulkan.

So funktionieren die Touren:

Abgeholt wird man im Hotel zwischen 3 und 4 Uhr morgens, abhängig davon, ob man sich noch einen eingermassen guten Platz ergattern möchte oder nicht. Je früher man dort ist, desto besser, denn tagtäglich fahren hunderte von Jeeps, randvoll mit Touristen, zum selben Aussichtspunkt. Die Fahrt dauert gute 45 Minuten in kompletter Dunkelheit und sobald man in die nähere Umgebung kommt, beginnen die Staus. Ab einem gewissen Punkt gibt es kein Weiterkommen mehr, das Chaos ist zu gross, und Reisende müssen aussteigen und noch rund einen Kilometer zum Aussichtspunkt wandern. Die Plattform ist klein und gegen die Tausend Besucher versuchen sich irgendwie nach vorne zu kämpfen. Es ist beinahe unmöglich einen guten Blick auf die Landschaft zu erhaschen, geschweige denn Fotos zu machen oder ein Stativ aufzustellen. Anschliessend wandert man wieder zurück nach unten und versucht zwischen den hunderten von Jeeps das richtige Auto zu finden. Sobald alle drin sind, geht’s zurück zum Sandmeer, wo man wieder rausgeworfen wird und nochmals eine Stunde zur Verfügung hat, um auf den Vulkan zu wandern oder die Umgebung zu erkunden.

Benötigte Zeit: ca. 4 Stunden
Preis: 125’000 Rupiah für ein Einzelticket, 350’000 Rupiah für den ganzen Jeep. Wer darauf besteht die Tour trotzdem zu machen, dem ist aufgrund des riesigen Preisunterschiedes angeraten, sich mit anderen Touristen zusammenzutun und gemeinsam ein Auto zu mieten.
Mitbringen: Wasser und Snacks – die 4 Stunden sind lang und es gibt auf der Tour keinerlei Verpflegung.

Hier noch die ausführliche Beschreibung meiner ziemlich miesen Sunrise Tour:  Als ich mehr oder weniger freiwillig im Sandmeer ausgesetzt wurde

View from the easily reachable viewpoint right outside of Cemoro Lawang.

Aussicht vom einfach zugänglichen Aussichtspunkt kurz nach Cemoro Lawang. Zu sehen ist auch der Pfad, der durch das Sandmeer bis hoch zum Vulkan führt.

Und so geniesst man den Sonnenaufgang ohne die Menschenmassen:

Man kann natürlich auch selber zum berühmten Aussichtspunkt wandern, was etwa 3 Stunden dauert, aber das Resultat wäre schlussendlich das selbe: eine überfüllte Aussichtsplattform und viel Ellbogeneinsatz um überhaupt was zu sehen. Eine tolle Alternative ist, sich schon am Vortag ein gutes Plätzchen mit Aussicht am Kraterrand zu suchen und vor Sonnenaufgang zurückzukehren – wundervolle Aussichten können praktisch überall genossen werden. Der einfachste Weg ist sicherlich, der Strasse durch Cemoro Lawang zu folgen, bis man den Rand der Caldera erreicht. Dort, kurz bevor die Strasse sich wieder nach unten neigt, liegt ein Aussichtspunk, von wo aus man die gesamte Landschaft, sowie einen möglichen Sonnenaufgang, wunderschön überblicken kann – und das ohne die üblichen Menschenmassen.

Das Fazit ist, dass man auch ohne Tour – bzw. insbesondere ohne Tour – einige wundervolle Tage im Bromo Tengger Semeru Nationalpark verbringen kann. Alleine auf Entdeckungsreise zu gehen ist einfach und die Wanderungen sind wenig anspruchsvoll und auch für Anfänger gut geeignet. Gib dein Geld nicht den gierigen Tour-Unternehmen, die in keiner Weise darum bemüht sind, dir ein tolles Erlebnis zu ermöglichen, sondern mache dich selbständig auf den Weg.

Die Geldgierige, auf Betrügereien fixierte Tourismusindustrie, die sich um den Bromo Nationalpark aufgebaut hat, ist natürlich nicht das einzige Problem der Gegend. Mehr darüber lesen kann man auf Brendan’s Blog: Mount Bromo the Overrun

Vendor's tent in the sand sea.

Zelt eines Verkäufers im Sandmeer.

2 Responses

  1. Oli

    Ich hatte kein Problem, in Probolingo einen Minibus zu finden, der mich in den Nationalpark hochfuhr. Auch war die Fahrt recht günstig. Was mich allerdings etwas nervte, war, dass der Eintritt in der Nationalpark für Ausländer massiv teurer war als für Indonesier.

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    • Tiffany

      Da hast du aber Glück gehabt 😉 Das mit dem Eintritt ist natürlich auch wieder mal typisch, war bei den meisten Sehenswürdigkeiten und Eintritten so und ich habe mich darüber auch genervt.

      Reply

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