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Ich habe ein paar ziemlich grässliche Reisetage hinter mir, inklusive drei Flüge und ein 12-stündiges Layover in Istanbul und bin nur Stunden zuvor aus dem Flugzeug gestiegen. Zum total Schlafmangel kommt noch hinzu, dass ich nicht mal einen einzigen Kaffee in meinem Kreislauf habe. Dann, nachdem ich meinen ersten Tag in Aqaba mit einer Stadtrundfahrt und am Roten Meer verbrachte habe, werde ich für eine Überraschung entführt.

Während ich also dementsprechend todmüde bei Salaam ins Auto steige, hoffe ich bereits, dass die Überraschung ein Nickerchen beinhalten würde. Stattdessen fahren wir um die Ecke zum Janna Spa, der mitten im Zentrum von Aqaba an der Al-Saada Strasse gelegen ist. Dieser jordanische Schönheitstempel wird von einigen wundervollen Frauen betrieben und bietet von Massagen, Gesichtsbehandlungen, Make-up und einem Friseursalon, bis zu einigen Pools, einem Fitnessraum und einem Hamam alles an, was man sich für ein paar erholsame Stunden nur wünschen könnte.

Ich finde Spa’s ja ganz toll, trotzdem sind sie aber Orte, die ich unter normalen Umständen wahrscheinlich nicht selber aufsuchen würde.

Here are Brendan and I in Bali a few weeks earlier - a more accurate picture of what we usually look like while travelling.

Brendan und ich einige Wochen zuvor in Bali – so wie wir nomalerweise auf Reisen so aussehen.

Normalerweise bin ich entweder mit Staub und Schmutz bedeckt, weil ich auf einen Vulkan gewandert bin oder völlig verschwitzt, nachdem ich meine Ausrüstung über die x-te Insel geschleppt habe. Die Haare sind sowieso scheisse, da ich wieder mal einen Tag auf einem Scooter verbracht habe und Wind und Helm die Frisur, wenn sie denn existiert hat, komplett ruiniert haben. Obwohl ich gerade so das Nötigste dabei habe, ist Make-up in der Regel nicht das, womit ich beim Reisen meine Zeit verbringe und Gelegenheiten sich hübsch zu machen sind relativ selten. Ich kann nur vermuten, dass Salaam einige meiner verschwitzteren Bilder auf dem Blog gesehen hat und darauf hin beschloss, dass ich wohl ein komplettes Makeover nötig habe.

Ich werde von den Frauen an der Rezeption sehr herzlich begrüsst und werde dann ohne grosse Umschweife in einen Nebenraum geführt, wo man mir endlich mitteilt, was mir noch bevorsteht. „Wie viel Make-up trägst du denn normalerweise“, fragt Salaam und schnappt nach Luft, als ich in Richtung meiner Wimpern deute und antworte, dass ich da meistens nur etwas Mascara draufmache. Es folgen noch mehr entsetzte Blicke, als die Mädchen erfahren, dass ich nicht mal mit High Heels reise. Jordanische Frauen nehmen ihr Make-up sehr ernst und stecken viel Aufwand in gutes Aussehen – dementsprechend geübt sind sie auch in der Handhabung. Ich nehme daher an, dass sie das mit dem Make-up sowieso viel besser können als ich und gebe den Frauen die Erlaubnis, mit mir zu machen, was sie wollen. Und genau das tun sie auch.

Zuerst muss ich mein Kleid auswählen, welches ich dann später zu einem schicken Abendessen im Double Tree tragen werde. Während die Frauen sich also auf die Suche nach einem Paar passender High Heels machen, probiere ich die Kleider an und kämpfe mit Ärmeln und Säumen. Mit jedem Gewand werde ich zum Fitnessraum geführt, wo ich mich in den grossen Spiegeln begutachten kann. Beim dritten Kleid, einer langen, weissen Robe verziert mit blauen und goldenen Stickereien, zeigt ein Mädchen, welches auf einem der Fahrräder trainiert, mit dem Daumen nach oben. Ich stimme zu, schliesslich habe ich schon lange nicht mehr etwas derart makellos Weisses getragen.

The result of 3 hours of work by 5 different girls.

Das Resultat nach 3 Stunde Arbeit von 5 verschiedenen Frauen.

Ich werde dann angewiesen, mich auf einen Massagetisch zu legen. Pinsel bemalen mein Gesicht mit einer Vielfalt kunstvoll aufeinander abgestimmter Farben. Finger- und Fussnägel werden dunkelrot lackiert und eine weitere Mitarbeiterin malt ein orientalisches Henna-Tattoo auf meine Hand. Hunderte Wimpern werden einzeln auf meine Lieder geklebt. Salaam, die eigentlich geplant hatte, nach Hause zu gehen und für ihren Vater zu kochen, entscheidet sich stattdessen zu bleiben. Sie sagt mir, dass es viel interessanter sei, meine Totalveränderung zu beobachten.

Ungefähr zwei Stunden, nachdem ich den Spa betreten habe, darf ich endlich aufstehen und kann den ersten richtigen Blick auf mein neues Gesicht erhaschen. Ich sehe unglaublich gut aus und im ersten Moment erkenne ich mich kaum wieder. Die Frauen haben offensichtlich fantastische Arbeit geleistet. Es fehlen nur noch die Haare, und auch das wir im Friseursalon gleich nebenan noch gerichtet. Meine normalerweise komplett glatten Haare werden gebürstet, gelockt und besprayt, bis sie sich in eine künstlerisch gewellte Masse verwandelt haben, die wohl sogar einem Hurrikan standhalten würde.

Als ich eine weitere Stunde später fertig bin und zu einem vollen Erfolg erklärt werde, hat auch jemand irgendwo ein Paar High Heels für mich aufgetrieben und als ich Brendan beim Abendessen im Hotel endlich wiedersehe, bin ich so gross, dass ich mich auf Augenhöhe mit ihm befinde. Er sagt, ich sehe aus wie gephotoshoppt, was ich mal als ziemlich grosses Kompliment auffasse.

No more photos, let me sleeeeep...

Schluss mit Fotos, ich will schlaaaaafen…

Ich habe ja schon so einige abenteuerliche Dinge getan. Trotzdem würde ich den Tag, als ich nach drei Tagen ohne Schlaf in 10 cm hohe Absätze und ein langes, traditionelles jordanisches Kleid gesteckt, und mit einer dreistündigen Make-up Session, einer Dose Haarspray und etwa hundert falschen Wimpern ausgestattet wurde, definitiv zu den etwas verrückteren Abenteuern zählen.

Also Mädels, wenn ihr in Aqaba seid, unterzieht euch mal einem kompletten jordanischen Makeover. Es macht Spass und die ganzen Wimpern und das Make-up wieder runterzukriegen dauert nur ne gute halbe Stunde. Versprochen.

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

4 Responses

  1. Sarah Althaus

    Das ist ja mal cool! 🙂 Ich reise zwar auch ohne Makeup und High Heels, aber da würde ich doch auch gleich mitmachen. War bestimmt toll. Du siehst jedenfalls super aus.

    Liebe Grüsse,
    Sarah

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  2. inka

    OH.MY.GOD!
    Ich muss wirklcih erstmal meine Sprache wiederfinden. Also also *stotter* … ja, das sieht unfassbar gut aus, aber tatsächlich, da muss ich Deinem Männe zustimmen, echt wie geshoppt. Soll heißen: SCHWER beeindruckend, aber in “natura” gefällst Du mir besser.
    Meine Güte.
    Ich hab bis eben gedcht, dass man sowas wirklich nur mit Fotoshop hinbekommt und nicht mit Schminke (sagt die, die ebenfalls _vielleicht_ mal so nen Billigpuder aus der Drogerie draufklatscht…). 🙂
    PS: Ich möcht ja dieses Jahr eigentlcih nach Jordanien. Jetzt hab ich irgendwie… Angst. 😀
    LG /inka

    Reply
    • Tiffany

      Haha ich danke dir Inka. Zum Glück siehts ja eben in natura auch noch einigermassen ok aus und ich muss mich nicht täglich photoshoppen – keine Ahnung wie die Jordanierinnen da tagtäglich die Geduld für aufbringen 😉
      Jordanien darfst du dir keinesfalls entgehen lassen, das Land steht inzwischen definitiv ganz oben auf meiner Liste der besten Reiseländer. Es gibt da einfach unglaublich viel zu sehen und zu erleben und auch die Leute sind lustig und freundlich (was man ja von so einigen anderen Ländern der Gegend nicht behaupten kann *hustägyptenhust*)

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