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Fotos mit langer Belichtungszeit sind eine wundervolle Sache. Dank den vielen Experimentiermöglichkeiten ist die Langzeitbelichtung daher auch eines meiner Lieblingsgenres in der Fotografie. Man kann mit Langzeitbelichtungen nicht nur seidig glatte Wasserfälle zaubern und dramatische Wolkenbilder erzeugen, sondern auch die Bewegung von Licht einfangen. Will man sogenannte Light Trails fotografieren, versucht man den Verschluss so lange wie nötig offen zu halten, um mit den Lichtern vorbeifahrender Fahrzeuge Lichtspuren zu erzeugen.

Ausrüstung für das Fotografieren von Lichtspuren

Schau dir nur mal die tollen Lichtspuren an, die der NASA Astronaut Don Pettit im Weltraum fotografiert hat. Er hat’s schwerelos geschafft und auch du kannst mit der richtigen Ausrüstung tolle Erfolge erzielen. Um Lichtspuren angemessen einzufangen brauchst du zunächst natürlich mal eine Kamera, die es dir erlaubt im manuellen Modus oder in Zeitautomatik zu fotografieren. Um ein stabiles Stativ und einen Fernauslöser kommt man, wenn man scharfe und verwacklungsfreie Bilder will, auch nicht herum.

Mit im Kamerarucksack habe ich auch immer einen ND Filter. So bin ich nicht komplett abhängig von den Lichtverhältnissen und kann wenn nötig das Objektiv abdunkeln und genau den Blendenwert und die Verschlusszeit erreichen, die ich will. Zum fotografieren in der blauen Stunde hat mir da übrigens bisher ein 3-stop ND Filter gut gedient.

Light trail photography in Berlin, Germany

Einstellungen für die Light Trail Fotografie

Für die Lichtspuren-Fotografie gelten die selben Regeln, die dir vielleicht schon aus anderen Anwendungen der Langzeitbelichtungen bekannt sind. Halte die ISO tief auf 100 und fotografiere im RAW Format. Dies hilft körnige Fotos zu vermeiden und lässt auch die Nachbearbeitung ohne Qualitätsverluste zu. Was den Blendenwert betrifft, empfehle ich einen f-stop zwischen f/9 und f/11, um eine optimale Schärfe zu erreichen. Höhere oder tiefere Werte wähle ich persönlich nur, wenn ich unbedingt eine kürzere oder längere Belichtungszeit benötige. Die Verschlusszeit hängt ganz davon ab, welchen Look du bevorzugst. Ich mag gut ausgeprägte, ununterbrochene Lichtspuren und belichte meist für 10-20 Sekunden, manchmal länger.

Natürlich sind Lichtspuren extrem grell. Sei vorsichtig, dass die hellen Teile des Fotos, wie zum Beispiel Strassenlaternen, nicht überbelichtet werden. Weisse Flecken ohne Details können ein Bild schnell ruinieren. Schau auf das Histogramm um überbelichtete Stellen zu vermeiden, oder mache einige Testbilder und passe die Einstellungen entsprechend an.

Photographing light trails in San Francisco on the Golden Gate Bridge

Was das Aussehen deiner Lichtspuren beeinflusst

Wie die glühenden Linien im Foto schlussendlich aussehen, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

1. Der Verkehrsfluss: Für Light Trails findet man am besten eine Location, an der Fahrzeuge nicht abbremsen oder anhalten müssen. Statt Stoppschild und Rotlicht wählt man daher besser eine Strasse mit fliessendem Verkehr, sodass hoffentlich genügend Autos durchs Bild fahren und schön dichte Lichtspuren erzeugen. Ein einzelnes Auto produziert vielleicht nur eine schwache, verwackelte Lichtlinie, aber je mehr Fahrzeuge hinzugefügt werden, desto kraftvoller erscheinen die sich zusammenfügenden Lichtspuren. Kreuzungen können auch sehr interessant sein, hier muss man aber eventuell viel längere Belichtungszeiten in Kauf nehmen, um mögliche Verkehrsunterbrüche zu kompensieren.

2. Die Farbe der Lichter: Idealerweise sucht man sich eine Strasse, die beidseitig befahren wird. So hinterlassen nämlich nicht nur die gelben Scheinwerfer der Fahrzeuge ihre Spuren, sondern auch die roten Rücklichter. An einigen Fahrzeugen, zum Beispiel an manchen Bussen und Zügen, sind zusätzlich noch andersfarbige Lichter angebracht. Ein wenig grün und blau im Foto kann daher ganz interessant sein.

3. Kurven und Unebenheiten: Beobachte für einige Minuten, wie der Verkehr fliesst und suche eine Bildkomposition, die interessante Kurven und Muster entstehen lässt. Achte ausserdem auf den Zustand des Asphalts. Unebene Strassen führen dazu, dass Fahrzeuge auf und ab hüpfen, was sich in äusserst verwackelten Lichtspuren äussert.

4. Die Belichtungszeit: Je länger deine Belichtungszeit ist, desto mehr Lichtspuren können sich im Bild ansammeln, was zu dichten und kraftvollen Licht-Autobahnen führt. Das bedeutet jedoch nicht, dass mehr unbedingt besser ist. Kürzere Belichtungszeiten können einen komplett unterschiedlichen Look produzieren und du solltest dich nicht davon abhalten lassen, auch mal mit Lücken in den Lichtspuren zu experimentieren.

Und last but not least, leitende Linien, Vordergrund und Hintergrund und Bildschwerpunkte sind ebenfalls wichtige Aspekte, die ein Light Trail Foto in einen richtigen WOW-Faktor verwandeln können. Nur die Lichtspuren zu fotografieren ist langweilig, behalte also die Regeln der Bildkomposition im Hinterkopf. Ziel ist aber dem Foto noch den letzen Schliff zu verpassen und nicht von dem, was wirklich wichtig ist, abzulenken.

Light trail photography on a road in Zion National Park

Timing ist wichtig

Es ist nicht ganz einfach, die Belichtung genau so zu timen, dass die ideale Lichtspur entsteht. Mal drückt man zu früh, mal zu spät auf den Auslöser und dann fällt dem Autofahrer plötzlich ein, dass er noch schnell eine Zigi anzünden muss. Manchmal muss man daher beim Fotografieren von Lichtspuren etwas abwarten, bis der Verkehrsfluss fürs Foto ideal ist.

Abenddämmerung ist ideal

Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich hauptsächlich während der goldenen und blauen Stunden fotografiere und der Rest der Zeit auf der Couch verbringe (*hust* ich meine natürlich fleissig Artikel schreibe). Auch bei Lichtspuren fotografiere ich am liebsten in der Abenddämmerung, dann wenn es für eine längere Belichtungszeit bereits dunkel genug ist und der Himmel mit etwas Farbe einen interessanten Aspekt zum Foto beiträgt. Ist es noch nicht dunkel genug, hilft wie bereits erwähnt ein ND Filter dabei, die Verschlusszeit zu verlängern.

Vergiss nicht, dich zu bewegen und mit verschiedenen Kompositionen und Einstellungen zu experimentieren. Keine zwei Light Trail Fotos sind identisch, also schnappt dir dein Stativ und have some fun!

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

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