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Nachdem ich im Banff Nationalpark war und am Dark Sky Festival in Jasper teilgenommen habe, bin ich ja in den vergangenen Wochen dank der tiefen Temperaturen weiss Gott nicht genug nach draussen gegangen. Dieses vergangene Wochenende konnte ich aber endlich nach Jasper zurückkehren und ein lang ersehntes Erlebnis von meiner Bucket List streichen: eine Hundeschlittenfahrt. Ich war bereit meinen inneren Musher rauszulassen und selber zu lernen, wie man ein Team aufgeregter Huskies führt.

Alaskan Huskies are used as sled dogs for speed.

Wau!

Schlittenhundeteams waren und sind zu einem gewissen Grad immer noch ein wichtiges Transportmittel in arktischen Gebieten. Bevor Schneemobile zur heutigen Popularität aufstiegen unterstützten die zähen Hunde Entdecker in der Arktis, transportierten die Post und Güter in abgelegene Gemeinden und halfen während des Goldrauschs in Alaska, als die meisten Lager nur per Hundeschlitten zu erreichen waren. Die Royal Canadian Mounted Police ging mit Hundeschlitten auf Patrouille und während des zweiten Weltkriegs standen sie Wache im westlichen Alaska. Unter den wiedrigsten Bedingungen, wenn Transportmittel wie der Zug oder Pferde schon längst aufgegeben hätten, hielten die zuverlässigen Hunde durch. Heute, da Schneemobile und Flugzeuge grösstenteils diese Transportfunktion übernommen haben, hat sich das Hundeschlittenfahren mehr und mehr zu einem Freizeitsport entwickelt. Einhergehend mit diesem Wechsel hat sich auch die Nachfrage von grossen, kräftigen Zugtieren hin zu Rennhunden mit hoher Ausdauer verändert.

Obwohl Hundeschlittentouren heute hauptsächlich ein Freizeitsport sind, erwarten die meisten Besucher immer noch, dass sie von den grossen, flauschigen Siberian Huskies gezogen werden. Amanda von Cold Fire Creek Dogsledding beruft sich hingegen auf einen “Need for Speed” und ihre Hundeteams bestehen daher haupsächlich aus Alaskan Huskies, einer leichteren Rasse die für ihre Schnelligkeit bekannt und für die Berglandschaft der Rocky Mountains bestens geeignet ist. Im Gegensatz zu den Tieren die weiter nördlich eingesetzt werden, haben die Alaskan Huskies einen weniger dichten Pelz und kürzere Haare, damit die Wärme leichter entweichen kann. Über 80 dieser Sprinthunde hat Amanda inzwischen in ihrem Gefolge und die Liebe zum Laufen ist ihnen allen anzusehen.

Als wir endlich in die kleine Lichtung am Beginn eines dichten Waldweges in der Nähe von Valemount, British Columbia vorfuhren, waren die Hunde bereits eingespannt und ein Chor von Bellen übertönte die meisten Gesprächsversuche. Wir waren etwas spät dran. Wegen eines Schneesturmes am Vortag und einer eisigen Nacht mit Temperaturen um die -40°C, dauerte die Reise von Jasper durch den Yellowhead Pass und vorbei am Mount Robson, dem höchsten Berg der kanadischen Rockies, etwas länger als erwartet. Normalerweise würde die Fahrt 90 Minuten in Anspruch nehmen, aber eisige Strassen und langsamer Verkehr hielten uns bis am späten Nachmittag auf.

Amanda from Cold Fire Creek Dogsledding introducing us newbies to the art of dogsledding.

Amanda von Cold Fire Creek Dogsledding gibt uns eine Einführung ins Hundeschlittenfahren.

Zwischen aufgeregten, springenden und bellenden Hunden, drängten wir uns daher schnell um Amanda, um die obligatorische Einführung ins Hundeschlittenfahren zu erhalten. Wir erfuhren, dass ein lautes “Hike!” die Tiere zum Laufen anregen und dass der Befehl “Woah!” die Hunde stoppen würde und lernten wie man die Bremse betätigt und dass man Bergauf den Hunden bei der Arbeit helfen muss. Brendan und ich wurden sogleich dem Schlitten Nummer 3 zugewiesen und während einer von uns im gemütlichen vorderen Teil des Schlittens unter eine dicke Decke gesteckt wurde, wirkte die andere Person als Musher, das ist der Hundeschlittenführer, am hinteren Ende der Kufen.

Acht Hunde werden so früh im Winter, wenn der Schnee hoch und die Temperaturen tief sind, vor dem Schlitten eingespannt und mit der aufgestauten Energie, wie sie nur Schlittenhunde haben können, legten wir los. Brendan und ich wechselten uns als Fahrer ab und lernen schon bald, dass das Hundeschlittenfahren harte Arbeit ist. Teamarbeit ist notwendig und einfach hinten am Schlitten stehen und mitfahren geht nicht. Geht es Bergab muss man stark auf die Bremse treten, sodass der Schlitten genügend Abstand zu den Hunden behält und geht es Bergauf, muss man selber mit etwas Fussbetätigung nachhelfen. Das Work-Out hielt uns ganz schön auf Trab und liess uns zum Glück trotz der tiefen Temperaturen nicht frieren.

First attempt at mushing by Brendan and I at Cold Fire Creek Dogsledding. Jasper Dogsledding.

Dogsledding near Jasper at Cold Fire Creek Dogsledding.

Let’s gooooo! Die Hunde sind total aufgeregt und wollen bei jeder Pause sofort wieder loslegen.

Schlussendlich gibt es nichts schöneres als hinter den rennenden Hunden zu den Klängen der Kufen im Schnee und trappelnden Hundefüssen durch die verschneite Winterwelt der kanadischen Wildnis zu gleiten. Aber die spannende Mischung aus Action und ruhiger Landschaft ist nicht mal der beste Teil der Erfahrung, das beste am Hundeschlittenfahren ist die Teamarbeit und dass man nicht der einzige ist, der Spass hat. Die Schlittenhunde lieben es nicht nur zu laufen, sind freundlich und haben eine unglaubliche Kraft und Ausdauer, sondern schätzen es auch gekrault und mit Aufmerksamkeit beschenkt zu werden.

Man könnte jetzt vielleicht fragen – ist der Sport für die Hunde fair? Die Antwort ist ein klares ja, denn die Huskies LIEBEN das Laufen. Ihr Bedürfnis zu ziehen äussert sich in der beeindruckenden Geschwindigkeit und ihrem Verlangen bei jedem Stopp und jeder Pause so schnell wie möglich wieder weiter zu fahren, wird mit viel Gebell, Wedeln und Herumspringen zum Ausdruck gebracht. Nur der schwere Eisenhaken, der tief in den Schnee getreten wird und als Anker dient, hielt die Schlittenhunde davon ab, auch ohne uns loszulegen und uns im Schneestaub zurückzulassen. Die Hunde werden nicht zum Laufen gezwungen, sie könnten sich sogar jederzeit hinlegen und einfach aufhören, aber nichts scheint die Huskies glücklicher zu machen, als mit vollem Tempo durch den Schnee zu rennen.

Hundeschlittenfahren ist eine unglaublich bereichernde Erfahrung und auf jedenfall ein unübliches Wintererlebnis. Danach wärmt man sich mit dampfendem Apfelwein und hausgemachten Keksen auf – eine Erfahrung die man nicht so schnell vergisst.

Cold Fire Creek Dogsledding, Jasper Dogsledding, daughter Jordyn and the dogs.

Amandas süsse Tochter Jordyn mit den Hunden.

Über den Autor

Tiffany is a Swiss travel writer, digital nomad, and photographer, who, after a fateful journey through Africa, has decided to get her passport renewed, sell all her junk, and live out of a suitcase in various corners of the world, as well as share the experiences with other travel enthusiasts. This blog is intended to inspire you to pack your bags, leave everything behind for a while, and make you go discover the world. Check her out on .

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