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Reykjavik hat für eine so kleine Stadt viel Architektur, Aktivitäten und auch so einige geradezu merkwürdige Dinge zu bieten. Die Hauptstadt Islands ist künstlerisch, modern und weltoffen, aber auch traditionell und die meisten Attraktionen befinden sich in Gehdistanz zueinander. Da Icelandair ja für Leute, die den Atlantik überqueren seit einiger Zeit diese kostenlosen Zwischenhalte in Island anbietet, hat sich das Angebot ein paar Stunden oder Tage auf der Insel zu verbringen zu einer beliebten Option entwickelt.

Ich hab mich mal auf eine Tour durch Reykjavik begeben um herauszufinden, ob man alle wichtigen Aktivitäten auch in einem genügend kurzen Zeitraum abklappern kann. Und tatsächlich, ich bin kreuz und quer durch Reykjavik gewandert und habe all die nachfolgenden Attraktionen besucht, und das nur in vier Stunden. Hier ist also mein kurzer Guide zu den top zehn Dingen, die man bei einem Zwischenstopp in Reykjavik einfach gesehen und getan haben muss:

1. Betrachte Reykjavik aus der Vogelperspektive

Es gibt zwei Orte, wo man eine tolle Aussicht über die kunterbunten Spielzeughäuser Reykjaviks, das Meer und die Umgebung geniessen kann. Der erste befindet sich rund um und im Glasdom der Perle (Perlan), der andere ganz oben auf der Hallgrímskirkja. Der Turm der Hallgrimskirche ist jedoch mein Favorit, da kein Glas die Sicht versperrt, man in alle Richtungen blicken kann und die Aussichtsebene meistens total verlassen ist. Der Eintritt ist leider nicht gratis und kostet ISK 600 (etwa $5), aber die Investition lohnt sich allemal, um die schrulligen Häuser auch mal von oben zu sehen.

View over the Icelandic toy houses from the tower of the Hallgrímskirkja in Reyjkavik, Iceland.

2. Besuche die Hallgrímskirkja während der Dämmerung

Die Hallgrímskirkja, oder einfach Hallgrimskirche zu Deutsch, ist wahrscheinlich eines der eigenartigsten Bauwerke der Welt und das bekannteste Wahrzeichen von Reykjavik. Es wurde von Guðjón Samúelsson entworfen, der angeblich von den Basaltsäulen, die verstreut in Islands Landschaften gefunden werden können, inspiriert wurde. Diese dunklen, geometrischen Säulen umgeben zum Beispiel auch den bekannten Wasserfall Svartifoss und wurden mittels der prominenten Betonpfeiler in der Kirche verewigt. Kurz nach Sonnenuntergang wird die Hallgrímskirkja wunderschön von allen Seiten beleuchtet, und wenn du Glück hast, kannst du dem Kirchenchor beim üben zuhören, bevor du auf den Turm steigst oder die Statue von Leifur Eiriksson suchen gehst. Leifur Eiriksson war der erster Europäer, der um das Jahr 1000 Amerika entdeckte.

The Hallgrímskirkja in Reyjkavik, Iceland. lit up at dusk during the blue hour

3. Besuche das Harpa Konzerthaus

Man muss nicht mal Architekturfan sei, um dieses moderne Gebäude aus Glas und Metall faszinierend zu finden. Die Bienenwabenstruktur, die durch die Stahlträger und die vielen, verschiedenfarbigen Glasfenster kreiert wird, gibt den Anschein, als würde man sich im Innern eines futuristischen Bienenstocks befinden. Passend schweben auch noch farbige Glasvögeln von der Decke und Treppen, Plattformen und verschiedene Etagen schaffen scharfe Winkel. Das Konzerthaus ist brandneu und wurde erst 2011 fertiggestellt, beherbergt nun aber vier grosse Konzerthallen, Cafés, Bars, Shops und viel Raum für alle möglichen kulturellen Anlässe.

Glass and Metal: The Harpa Concert Hall in Reykjavik, Iceland from the inside.

Glass and Metal: The Harpa Concert Hall in Reykjavik, Iceland from the outside.

4. Posiere mit Sólfar, der Sonnenfahrt Skulptur

Sonnenfahrt ist eine Edelstahl-Skulptur des Künstlers Jón Gunnar Árnason, die entlang des Wassers in der Nähe der Konzerhalle zu finden ist und ein wenig einem Langschiff gleicht. Obwohl fälschlicherweise häufig angenommen wird, dass die Skulptur ein Wikingerschiff darstellen soll, erinnert das Kunstwerk jedoch tatsächlich an die Gründung Reykjaviks im Jahr 1786. Die Statue soll den Entdeckerdrang und ein Gefühl von Freiheit, Hoffnung und Fortschritt vermitteln. Es ist ein toller Ort, um die Sagen der Isländer hervorzuholen und ein wenig Zeit mit lesen zu verbringen, während man dem Leben an der Uferpromenade zusieht.

The sun voyager along the waterfront in Reykjavik, Iceland

5. Krieg einen Kicheranfall beim Betrachten gigantischer Pottwal-Penisse im einzigen Phallusmuseum der Welt

Wer hätte gedacht, dass sich das einzige Penis-Museum der Welt in Reykjavik befindet und dass nicht mal der Gründer genau weiss, wie das Ganze überhaupt so populär wurde. Das Museum begann als Witz zwischen Sigurður Hjartarson, dem inzwischen pensionierten Rektor einer Schule in Akranes, und den Lehrern. Nachdem diese eine Story hörten, in der Hjartson mit dem ausgetrockneten Penis eines Bullen Viehtreiben ging, begannen sie, nach jedem Besuch bei Verwandten und Bekannten auf den Bauernhöfen Islands, ähnliche Geschenke für den Rektor nach Hause zu bringen. Die Idee und Hjartarsons Penis Sammlung entwickelte sich entsprechend und heute sind im Phallusmuseum in Reykjavik die Dödel sämtlicher Säugetiere Islands, viele von ihnen Meeressäuger wie Wale und Delfine, zu sehen. Sie schweben in Formaldehyd, sind wie Jagdtrophäen an die Wand genagelt oder wurden zu Trinkhörnern und Lampenschirme verarbeitet. Es ist ein komischer Ort, brutal ehrlich und faszinierender, als man eigentlich zugeben möchte.

The phallological museum in Reykjavik, Iceland

6. Schau bei Bæjarins Beztu Pylsur vorbei und probier den besten Hotdog in Reykjavik

Da Island, naja, schweineteuer ist, waren Hotdogs bei meinem Besuch auf der Insel fest im Menüplan integriert. Die Würstchen mit Brot sind in Island sowieso total beliebt und man kriegt sie an Tankstellen, in Restaurants und Läden überall im Land. Der beste Hotdog, so hat man mir gesagt, sei aber mitten in Reykjavik gleich neben der Harpa Konzerthalle zu finden. Bæjarins Beztu Pylsur serviert nämlich an genau diesem Ort schon seit 1937, was die Essbude nicht nur zu einem tollen und günstigen Zwischenstopp für hungrige Bäuche, sondern irgendwie auch zu einem historischen Ort macht. Ich persönlich fand, dass nicht der richtige Mix aus den üblichen Zutaten wie gebratene Zwiebeln, süsser Senf und Ketchup die Hotdogs bei Bæjarins Beztu Pylsur so gut machen, sondern dass es die extra Sauce aus Mayonnaise und Würze ist, die der Mahlzeit noch das gewisse Extra verleiht. Also Leute, ab zu Bæjarins Beztu Pylsur, denn dies ist definitiv ein wichtiger Stop in Reykjavik.

Bæjarins Beztu Pylsur has the best hotdogs in all of Reykjavik.

Bæjarins Beztu Pylsur has the best hotdogs in all of Reykjavik.

7. Versuch so viel Graffiti wie nur möglich zu finden

Reykjavik ist weit entfernt von dem generischen Bild einer Stadt, die man sich vielleicht vorstellt, wenn man an das Wort “Hauptstadt” denkt. Vielleicht ist es eine Nebenwirkung des kalten und dunklen Klimas, aber alles in Reykjavik ist erstaunlich farbig, von den Dächern, über die Fassaden bis hin zu den Abfallkübeln. Überall werden Zäune, Fensterrahmen oder Parkbänke mit kleinen Details verziert. Es herrscht eine kreative Atmosphäre, denn Reykjavik ist eine Stadt, wo Strassenkunst weder verpönt noch geduldet, sondern offen begrüsst wird. Eigentümer geben ihre Erlaubnis an Künstler und dann beginnt es mit kleinen Malereien an Türen und endet mit gigantischen Kunstwerken, die ganze Betonfassaden verzieren. Wenn du so viel Graffiti wie nur möglich sehen willst, dann schau dir mal diese Karte mit den besten Strassenkunst-Locations in Reykjavik an.

Street Art is everywhere in Reykjavik, Iceland

8. Geh shoppen und lass dich von Islands einzigartigem Stil inspirieren

Hey, du kannst dir vielleicht wie ich rein gar nichts in Island leisten, aber gibt zu, es macht doch immer Spass einfach nur durch die Stadt zu wandern und sich inspirieren zu lassen. Bei meinem Spaziergang durch Reykjavik war ich von der schieren Anzahl niedlicher Vintage Shops, Designerläden und Ateliers, die an jeder Ecke zu finden sind, unglaublich beeindruckt. Isländer haben einen tollen Sinn für Mode und beinahe fast wie im Hipsterzentrum des Universums in Williamsburg, Brooklyn, scheinen hier alle ihren einzigartigen Stil in den Strassen zur Schau zu tragen. Wenn du nur einen kurzen Einblick in die Shoppingszene erhalten willst, schlendere der Haupteinkaufsstrasse Laugavegur entlang, aber wenn du etwas mehr Zeit hast, dann überspringe die Touristenfallen und versuche die vielen kleinen Second Hand Läden, wunderschönen Boutiquen und Plattenläden ausfindig zu machen, in denen man wortwörtlich stundenlang rumstöbern kann.

Laugavegur is the main shopping street in Reykjavik.

9. Probier einen typisch isländischen Kaffee in einem der vielen Cafés

Es gibt eine Menge Cafés in Reykjavik, und damit meine ich wirklich eine Menge. Als ich begann, mich etwas mehr mit der boomenden Kaffeekultur in Island zu befassen, habe ich ausserdem erfahren, dass die Isländer die viertgrössten Kaffeekonsumenten der Welt sind. Natürlich sind die Zutaten alle importiert, aber da die Isländer alle totale Kaffeesnobs sind, behaupten sie, dass sie das Rösten der Kaffeebohnen am besten beherrschen und mit Abstand die köstlichste Tasse Kaffee der Welt zusammenbrauen können. Selber überzeugen kann man sich davon zum Beispiel im KaffitarTe & Kaffi oder im Kaffismiðja Íslands, aber versuch bloss nicht einen koffeinfreien Kaffee zu bestellen, das wird dann eher als Beleidigung der komplexen Kunst aufgefasst. Übrigens gibt’s in den meisten Cafés gratis Wifi, was die schrulligen Kaffeehäuser zum idealen Ort machen, um mit Internet und einer Tasse Kaffee in den Tag zu starten.

Reykjavik is full of little cafés

10. Besuche das Drehrestaurant in der Perle

Die Perle (auch genannt Perlan), sieht vielleicht so aus, als wären Ausserirdische in Reykjavik gelandet und hätten da ihre Basis aufgebaut, tatsächlich besteht das kuriose Gebäude jedoch nur aus Warmwasserstanks, welche die Stadt mit warmem Wasser versorgen, sowie einer Glaskuppel mit Restaurant. Das Restaurant und die Bar sind für diejenigen mit  gut gefülltem Bankkonto total zu empfehlen, Budgetreisende kommen jedoch vor allem für die kostenlosen Panorama Aussichten auf die Stadt und die wundervollen Landschaften dahinter zur Perle.

the perlan in Reykjavik

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